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Angesichts der Diskussion um die Förderung von Eliten, statt von Begabten, ist es vielleicht angebracht, sich allgemein auch über das Bildungsarrangement in Deutschland so seine Gedanken zu machen:
Ein recht eigenwilliger Beitrag zum Thema:
"Macht Demokratie dumm"?
Thema der Sendung "Das Philosophische Quartett" vom 15.Feb. 2004
Wichtig scheint mir die Frage zu sein, in welchem Sinne "Bildung" funktioniert. Der Bildungsbegriff des deutschen Idealismus setzt den freien und zur geistigen Mündigkeit zu befähigenden Menschen voraus, welcher sich dem "Pathos der Einladung zum freiwilligen Lernen" hingibt. Ist es, wie der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil sagt, tatsächlich die "Bildungszelle" Mensch, welche sich in der Art von Wissbegierde an den "Komplex des Wissbaren"(Safranski) heranwagt?
Oder ist es nicht doch eines von der Mehrheit der Bevölkerung unreflektiert hingenommenes und letztlich akzeptiertes institutionell abgesichertes Verfahren, das den einzelnen Menschen nur suggeriert, dass er etwas sinnvolles für sich und sein Leben tut.
Die "Farbigkeit des Bildungserlebnisses" gestaltet sich unterschiedlich, je nachdem, wie das Arrangement der Farbenwahl getroffen wurde.
Für die einen in schillernden Farben - für die anderen in Grautönen.
Bildungsinhalte in das Eigeninteresse zu überführen markiert die eigene Bildungsgeschichte, welche sich von anderen unterscheidet. Nicht allein die durch viel Wissen genährte, ist die erfolgreiche, sondern jene, welche über eine entsprechende Freizügigkeit und Ungezwungenheit in der Aneignung von Bildungsinhalten verfügt und dies nicht bloß als eine Tugend in der Not versteht.
Die letztere weist den Bildungsbeflissenen mit Kreditkarte aus, der weiß zu kaufen, was zu ihm passt.
Der andere verfängt sich im Zauber eines gesellschaftspolitisch durchkonstruierten Bildungsarrangements, welches mit vielerlei Versprechen hausieren geht, die den Möglichkeiten individueller Erfüllbarkeit anheim gestellt werden.
Wenn sich das ganze für den einzelnen Menschen als eine Seifenblase herausstellen sollte, so liegt es dann gegebenenfalls an seinen ganz individuellen Vorstellungen von "Bildung" und den Hoffnungen, die er daraus fälschlicherweise zieht.
Für die vielen Bildungseiferer gilt nach wie vor und als Ersatz für die enttäuschten Aufstiegshoffnungen das mehr oder weniger erfolgreiche Angeschlossensein
an ein Bildungs-Programm, das der Perpetuierung eines Gefühls der privilegierten Teilnahme und Teilhabe Rechnung trägt.
Es ist dann wirklich nur noch das Gefühl der Zugehörigkeit, welches den legitimen Teilnehmer positiv abhebt von den übrigen Menschen, die ausgeschlossenen sind.
Ein institutionell gerahmter Freiraum, der dennoch ein abgestecktes Feld ist für eine bevorzugte Art der kulturellen Inzucht.
Zugang findet nur noch der Mensch nach Maß, gejagt durch unzählige Testbatterien, geeicht und genormt nach den "Elite-Vorstellungen" unserer Politiker,
Professoren und Wirtschaftsmagnaten.
Der Rest wird an die Außengrenzen des Systems verwiesen - die wenigen Illusionierten dürfen noch eine Weile an der Innenseite der Außengrenze verweilen, die Resignierten und Häretiker werden an die Außenseite der Systemgrenze verbannt.
Grund jener "kollektiven Desillusion" und Enttäuschung ist mehr das "Auseinanderklaffen von Aspirationen und Chancen" (Bourdieu) , weniger die notwendige Entzauberung des Bildungsbegriffs an sich. Die Analyse des gesellschaftlichen institutionell gerahmten Bildungsarrangements birgt keine Geheimnisse, vielmehr wird
daraus ein Geheimnis gemacht.
In den eindimensionalen öffentlichkeitswirksamen Thematisierungen wird die stillschweigend akzeptierte Auslegung der "Bildungsmisere" dahingehend gefördert, das man eventuell der Meinung ist: "Demokratie macht dumm" - Angenommen es wäre so- will man deswegen die Demokratie abschaffen? Es wäre der elitäre Gedanke einer Minderheit, die sich so gerne als Elite versteht und dauernd von Eliteförderung spricht - weniger von der Förderung der unzähligen Begabungen.
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