Rückfall in die Barbarei?

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Rückfall in die Barbarei?

Beitragvon Maywald » 21.03.2004, 01:42


Es gibt Beiträge von Teilnehmern anderer Foren, die Szenarien ähnlich wie in Madrid, für Deutschland ausmalen und diesen vielleicht insgeheimen Wunsch in ihre verbale Begründungsstrategie mit hineinnehmen. >>Möge es so kommen, dann können wir (gemäß unseren Vorstellungen ) so und nicht anders handeln<<. 8)

Bisher hatten wir vielleicht nicht nur Glück, sondern eventuell bewahren uns unsere Besonnenheit und unsere klügeren, psychologisch ausgefeilteren Strategien, vor diesen Szenarien.

"Das menschliche Miteinander ist (leider) nun mal geprägt von Auseinandersetzungen" -
richtig bemerkt Rudi! (Rudi 16.03.2004)
Genau diese Tatsache gilt für uns alle und es kommt darauf an, wie wir diese in entsprechende Formen psychologisch geschickt anlegen.

Die "Aug´um Aug, Zahn um Zahn!"- Kampfmetaphorik von Kovacs legt uns nahe in die
gleichen Fußstapfen zu treten wie die Terroristen. "Terrorismus kann man nur mit gleichem Waffen bekämpfen!!, auch wenn es brutal und unmenschlich klingt!" - so sein Fazit. (Kovacs 17.03.2004)
Dann jedoch trete ich ein in die Zwangsläufigkeit einer Eskalation von Gewalt und Gegengewalt . Die Frage von Kovacs : "Aber ist es nicht unmenschlich 200 unschuldige Civilisten, Frauen und Kinder zu ermorden ?" erübrigt sich dann.
Das Morden ist dann an der Tagesordnung und Mitleid ein Fremdwort.

Wollen wir tatsächlich von den "Werten", die Rudi so betont und die es in der Tat zu verteidigen gilt, Abstand nehmen und eintreten in Gewaltexzesse , die Jahrhunderte zuvor unsere Kultur geprägt haben?

Was war den die Quintessenz aus den üblen Erfahrungen der vergangenen Kriege und dem Morden untereinander? Das Besinnen auf kulturelle Werte, die zivilere Auseinandersetzungsformen zu einer Selbstverständlichkeit werden ließen - trotz der Unvermeidlichkeit, das sich andere vielleicht daran nicht halten werden.

Kriegsmüde und ausgezerrt von den endlosen Kämpfen trafen wir eine Übereinkunft der friedlichen Koexistenz. Verfassungs- und zivilrechtliche Rahmenbedingungen ermöglichten den zivilen Verkehr , ohne den der zivilisatorische Fortschritt wohl nicht in diesen uns bekannten Ausmaßen von statten gegangen wäre.


Für Demokratien ist, angesichts der Würde ihrer Bürger, die es zu achten gilt und auf die sich jeder auch gerne beruft, , das zivile Strafrecht das Instrument , das den Umgang mit Straftätern regelt. In schrecklicher Erinnerung an die blutigen Rituale alttestamentarischer Vorgehensweisen nahm man Abstand von Tötungen und körperlichen Verstümmelungen. Zumal die Beibehaltung diverser Praktiken wiederum das archaische Selbstverständnis neu beleben würde, das nur durch Gewalt die gegenwärtigen Probleme zu lösen seien.

Selbst, wenn uns die gegenwärtigen Attacken der islamistischen Terroristen dazu nötigen, sollten wir uns überlegen, ob es sinnvoll ist, wenn wir wieder in die Gewänder der ehemaligen Kreuzritter schlüpfen.
Wir kennen den Krieg nicht und uns fehlen die Erfahrungen unserer Väter. Aber vielleicht
wollen oder brauchen wir wieder diese Erfahrungen. Wohlgemerkt - dazu gehören auch die zu tausenden zerfetzen Leichen und die hunderten zu Krüppeln geschossenen Kriegsversehrten. Gegenwärtiger sind dann das Entrüsten und Entsetzen über die Greul, die man sich wieder gegenseitig antut.
In vager Erinnerung sehnt man sich dann doch wieder nach den "verirrten Humanisten" (Kovacs), Womöglich müssen es aber erst einmal die eigenen Leichenberge sein, die einen wieder zur Vernunft bringen.

Das gleiche gilt auch für die Kämpfer, die den Terror in die westliche Welt tragen. Auch sie werden sich auf die eine oder andere Weise in ihren destruktiven Strategien totlaufen und merken müssen, das Gewalt die prekäre Situation in ihren Heimatländern nicht bessert. Sie mögen den augenscheinlichen Vorteil haben, dass sie aufgrund der Alltäglichkeit von Gewalt an diese gewöhnt sind und sie sich dieser in ihrem Tun bereitwilliger hingeben bzw. sich opfern. Doch ergibt sich aus diesem gegenwärtigen Umstand eine Zukunft, die ähnlich trostlos sein wird, wie ihre jetzige Gegenwart.

Wenn wir in die gleichen Verfahrensweisen zurückfallen wie die morgenländischen Terroristen , droht uns eine ähnliche Trostlosigkeit.


Maywald
Maywald
 

Re:Rückfall in die Barbarei?

Beitragvon admin » 21.03.2004, 10:07

;)

es fällt mir zwar schwer dir Recht zu geben. Ich hoffe das dieser gepostete Beitrag von dir ist und nicht von der Feder eines anderen stammt. Das man Gewalt mit Gegengewalt beantwortet ist der falsche Weg.

Sprich: Es sollten immer noch die demokratischen Rechte angewendtet werden die in unserer "zivilisierten Welt" gelten.

Angsichts einer trauernden Mutter oder eines trauernden Bruders fehlt den betroffenen es natürlich schwer sich mit westlichen Gesetzen zu trösten.

Aber es könnte schnell in eine Spirale der Gewalt ausarten.

Siehe Israel das ist nicht der Richtige Weg.
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